Aus
Geschichte und Lehre In römischer Zeit war Syrien eine Provinz
mit der Hauptstadt Antiochia. Dort nannte man die Anhänger Jesu zum ersten
mal „Christen“. Welches Volk aber genau mit der Bezeichnung „Syrer“
gemeint war, stand auch zur Zeit Christi nicht mit Sicherheit fest. Im
ganzen Vorderen Orient sprach man damals aramäisch, so auch in Palästina
und
sogar in Arabien. Die aramäische Sprache entwickelte sich im Lauf des 1.
Jahrtausends v. Chr. mehr und mehr zu einer Weltsprache, die bis Ägypten,
ja bis Pakistan gesprochen wurde. Im Altpersischen Reich war Aramäisch
eine der offiziellen Staatssprachen. Sicher ist es daher heute unmöglich,
noch eine Spur einer „reinen Nation“ im Nahen Osten zu finden, ganz
abgesehen davon, dass dieses Gebiet immer ein Schmelztiegel der Völker
war. Griechen, Römer, Byzantiner, Perser, Araber, Türken – alle herrschten
teils Jahrhunderte lang in dieser Gegend. Wir wissen also heute nicht mehr
genau, was man unter „Syrien“ oder unter Syrern“ verstehen soll. Es kann
daher auch nicht sinnvoll sein, unter der syrisch-orthodoxen Kirche die
Kirche irgendeiner Nation zu verstehen. Vielleicht wäre eine Bezeichnung
„altsyrisch-orthodoxe Kirche“ sinnvoll gewesen, sie entspräche auch eher
der deutschen Benennung „altorientalische Kirchen“. Es steht also
eindeutig fest, dass „syrisch“ in Verbindung mit Kirche nur mehr ein
historischer Begriff ist. Zwar ist der heutige Sitz des Oberhauptes der
syrisch-orthodoxen Kirche Damaskus, die Hauptstadt des heutigen Staates
Syrien, dieser Standort ist jedoch ein Exil des Patriarchen, da der
eigentliche Sitz Antiochia, heute Antakya in der Osttürkei, aus
politischen Gründen aufgegeben werden musste. Der Name Antiochia ist aber
dennoch mit einem Ehrenvorrang vor anderen Stätten der Christenheit
verbunden. Um Geschichte, Entstehung und Entwicklung de
syrisch-orthodoxen Kirche einigermaßen zu verstehen, müssen wir rund
eineinhalb jahrtausende zurückblenden. Bis zum 5. Jahrhundert verlief die
Geschichte der Kirche ja mehr oder minder gemeinsam, d. h. Ost und West
bildeten eine einzige Kirche. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts beherrschten
die damalige Reichskirche jedoch verschiedene Ansichten über die Person
Christi. Es gab zwei theologische Schulen der Christologie: •
Die
Schule von Alexandria: Im Bestreben, die Verbindung von Gottheit und
Menschheit in Jesus Christus möglichst innig darzustellen, sprach man von
der „einen Natur des fleischgewordenen Wortes (Logos)“. Man betonte also
die Einheit der gottmenschlichen Person, so dass mit der Zeit eine
Ein-Naturen-Lehre, der Monophysitismus, entstand. • Die Schule von Antiochia: Dieser theologischen Schule kam es vor allem darauf an,
nachzuweisen, dass die beiden Naturen Christi nicht miteinander vermischt
werden dürfen und dass sich die göttliche Natur mit einem individuellen
Menschen verbunden habe. Hier gebrauchte man als bildliche Erklärung, dass
das Wort (Logos) im Menschen Jesus wie in einem Tempel wohnt. Aus der
Schule von Antiochia ging der redegewandte Patriarch Nestorius von
Konstantinopel hervor, der betonte, man dürfe die heilige Maria daher nur
„Christotokos“ (Christusgebärerin) nennen, weil sie den Menschen Jesus, in
dem Gott wohnte, gebar. Der damals gebräuchliche Beiname „Theotokos“
(Gottesgebärerin) dürfe also nicht mehr verwendet werden. Daran hat
sich ein Streit entfacht. Die Ansichten des Nestorius wurden am 3.
Ökumenischen Konzil zu Ephesus (431) verworfen, Nestorius selbst nach
Ägypten verbannt. Seine Anhänger aber akzeptierten die Beschlüsse des
Konzils nicht, und es gab die erste Spaltung der Kirche; eine Spaltung,
der noch viele folgen sollten.
Der Naturenstreit ging indes weiter. Man
wollte ihn endgültig lösen und berief das 4. Ökumenische Konzil nach
Chalcedon (451) ein. Die Beschlüsse wurden aber von den syrischen Christen
sowie von den koptischen, armenischen und indischen Christen als
ökumenisch (allgemein) nicht anerkannt. So fand 451 eine weiter
Spaltung der Christenheit statt. Wir nennen daher heute dies getrennten
Kirchen „vorchalcedonensische oder altorientalische Kirchen“, wie eben die
syriesch-orthodox, die armenisch-apostolische, die kiptisch-orthodoxe und
die indische orthodoxe Kirche. Die Patriarchen waren auf Grund vieler
Verfolgungen immer wieder gezwungen, ihren Sitz zu wechseln. 1950 wurde
endlich der Sitz des Patriarchen der syrisch-orthodoxen Kirche nach
Damaskus, der Hauptstadt Syriens, verlegt, wo er sich noch heute befindet.
Der jetzige Patriarch ist Mar Ignatius Zaleka I. Iwas, der 120. Patriarch
von Antiochia. Die Bezeichnung der Kirche lautet offiziell: Kirche von
Antiochia und dem Ganzen Osten. Heute gibt es praktisch vier syrische
Kirchen, jede aus der alten Kirche von Antipchis hervorgegangen und mit
eigenem Patriarchat:
die syrisch-orthodoxe Kirche, die eigentliche Mutterkirche;
die Nestorianer (Ostsyrer oder apostolische Kirche des Orients genannt);
die Chaldäer (mit Rom unierte Nestorianer);
die syrisch-katholische Kirche (mit Rom unierte, von der syrisch-orthodoxen Kirche abgespaltene Jakobiten).
Die vielen Übel der
Vergangenheit schwächten diese Kirchen so sehr, dass sie heute ein
Schattendasein in islamischen Ländern führen müssen, praktisch zur
Bedeutungslosigkeit degradiert. Die syrisch-orthodoxe Kirche leitet
ihre Glaubenslehre von der in der Heiligen Schrift offenbarten
göttlichen Eingebung und vom den Traditionen ab, wie sie die Apostel
überlieferten. Sie anerkennt den Glauben, wie er auf den drei Ökumenischen
Konzilen von Nicäa (325), Konstantinopel (381) und Ephesus (431) definiert
wurde.
Die syrisch-orthodoxe Kirche glaubt an Gott als Vater, Sohn
und Heiliger Geist – ein wahrer Gott in der Heiligen Dreifaltigkeit.
Sie glaubt, dass der Sohn Gottes um der Erlösung der Menschen willen vom
Himmel kam, im Schoß der Jungfrau Maria Wohnung nahm und durch den
Heiligen Geist so die Fleischwerdung Gottes und Maria die Mutter Gottes
(Theotokos = Gottesgebärerin) wurde.
Sie glaubt, dass in Jesus
Christus göttliche und menschliche Natur ohne Vermischung, ohne
Vermengung, ohne Teilung, ohne Trennung verbunden sind. Sie bekennt die
Einheit und koppelte Wesenseinheit des Mensch gewordenen Herrn. wesenseins
mit dem Vater n seiner Göttlichkeit und wesenseins mit der Menschen in
seiner Menschlichkeit.
Sie glaubt, dass Gott in Menschengestalt am
Kreuz gestorben ist und begraben wurde und seine Göttlichkeit weder seine
Seele noch seinen Körper verließ; dass er am dritten Tag von den toten
auferstand und so die Menschheit von Tod und Sünde rettete; dass er zum
Himmel aufgestiegen ist und wiederkommen wird, um die Welt zu richten. Die
Kirche erwartet sein Kommen jederzeit.
Sie glaubt an die Auferstehung
der toten am Tag des Gerichts bei der Wiederkunft Jesu Christi und an das
Leben in der zukünftigen Welt.
Die syrisch-orthodoxe Kirche hat die
Siebenzahl der Sakramente: Taufe, Firmung, Abendmahl (Eucharistie), Buße,
Krankensalbung (nicht Sterbesakrament, nicht letzt Ölung!), Ehe,
Priesterweihe. Wie alle vorreformatorischen Kirchen hat auch die
syrisch-orthodoxe Kirche das dreifache priesterliche Amt – Diakon,
Priester, Bischof.
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